1936: Boykott-Aktionen
Lange Herzogstraße 35, Kaufhaus Daniel
Boykotte wurden in den 1930er Jahren als gezielte Maßnahme eingesetzt, um die jüdische Bevölkerung in den in wirtschaftlichen Ruin zu treiben. Zwei Monate nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler fand am 1. April 1933 eine Boykott-Aktion im ganzen Reich statt: Uniformierte postierten sich vor Eingängen von jüdischen Geschäften, verteilten Handzettel und versuchten Kunden vom Betreten der Geschäfte abzuhalten. Laut Ankündigung sollten Handgreiflichkeiten vermieden und die Sicherheit der jüdischen Geschäftsinhaber gewahrt bleiben.
Der Wolfenbütteler Theologe und Historiker Dietrich Kuessner beschreibt in einer Rede folgendes:
„In Wolfenbüttel verließen sich die jüdischen Geschäftsinhaber nicht auf solche Zusagen und öffneten gar nicht erst die Geschäfte. […] Eine zweite öffentliche antisemitische Welle, der sich keiner mehr entziehen konnte, startete die Partei im Sommer 1935. Sie ließ nach auffällig vielen Hetzartikeln in der Presse an den Ortsausgängen und auch an Kreuzungen und Verkehrsknotenpunkten in den Städten große Schilder aufstellen mit gemeinen Drohungen wie „Juden unerwünscht“ oder „Juden betreten den Ort auf eigenen Gefahr“ oder: „Rebekka packe die Koffer“ und „Moses wandere aus“.“
Eine ausführliche Berichterstattung samt Auflistung aller verbliebenen jüdischen Firmen, veröffentlichte die Lokalpresse ebenfalls. Unter den genannten war auch der Textilwarenhandel von Hermann Daniel. Jahrelang war er mit seinem „Haus der Qualitätswaren“ eine wichtige Einkaufsadresse, veranstaltete Modenschauen und brachte Berliner Künstler in die Provinzstadt Wolfenbüttel. Die Boykotte hielten an, Kunden wurden fotografiert, bedrängt und unter Druck gesetzt, bis Hermann Daniel sein Geschäft nicht mehr halten konnte.
Im Juli 1938 annoncierte Willi Sparmann, er habe das Geschäft unter Zustimmung „behördlicher und parteiamtlicher Stellen“ erworben und werde es nun unter „arischer Hand“ weiterführen.
Hermann Daniels Leben endet im Vernichtungslager Sobibor.
Boykotte wurden in den 1930er Jahren als gezielte Maßnahme eingesetzt, um die jüdische Bevölkerung in den in wirtschaftlichen Ruin zu treiben. Zwei Monate nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler fand am 1. April 1933 eine Boykott-Aktion im ganzen Reich statt: Uniformierte postierten sich vor Eingängen von jüdischen Geschäften, verteilten Handzettel und versuchten Kunden vom Betreten der Geschäfte abzuhalten. Laut Ankündigung sollten Handgreiflichkeiten vermieden und die Sicherheit der jüdischen Geschäftsinhaber gewahrt bleiben.
Der Wolfenbütteler Theologe und Historiker Dietrich Kuessner beschreibt in einer Rede folgendes:
„In Wolfenbüttel verließen sich die jüdischen Geschäftsinhaber nicht auf solche Zusagen und öffneten gar nicht erst die Geschäfte. […] Eine zweite öffentliche antisemitische Welle, der sich keiner mehr entziehen konnte, startete die Partei im Sommer 1935. Sie ließ nach auffällig vielen Hetzartikeln in der Presse an den Ortsausgängen und auch an Kreuzungen und Verkehrsknotenpunkten in den Städten große Schilder aufstellen mit gemeinen Drohungen wie „Juden unerwünscht“ oder „Juden betreten den Ort auf eigenen Gefahr“ oder: „Rebekka packe die Koffer“ und „Moses wandere aus“.“
Eine ausführliche Berichterstattung samt Auflistung aller verbliebenen jüdischen Firmen, veröffentlichte die Lokalpresse ebenfalls. Unter den genannten war auch der Textilwarenhandel von Hermann Daniel. Jahrelang war er mit seinem „Haus der Qualitätswaren“ eine wichtige Einkaufsadresse, veranstaltete Modenschauen und brachte Berliner Künstler in die Provinzstadt Wolfenbüttel. Die Boykotte hielten an, Kunden wurden fotografiert, bedrängt und unter Druck gesetzt, bis Hermann Daniel sein Geschäft nicht mehr halten konnte.
Im Juli 1938 annoncierte Willi Sparmann, er habe das Geschäft unter Zustimmung „behördlicher und parteiamtlicher Stellen“ erworben und werde es nun unter „arischer Hand“ weiterführen.
Hermann Daniels Leben endet im Vernichtungslager Sobibor.