Kleinod am Elmrand: Parkanlage und Schloss Schliestedt

Adresse und Kontakt

Schloßstraße 1
38170 Schöppenstedt Schliestedt
Telefon
05332/9790
Fax
05332/97960
E-Mail
info@schloss-schliestedt.de
Homepage
Homepage
Kurzvorstellung:Fährt man an der letzten Schöppenstedter B82-Kreuzung rechts in das kleine Dorf Schliestedt, erhebt sich linksseitig majestätisch die grauweiße Kalksteinfassade des Rokokoschlosses am Ende einer Kastanienallee mitten im Ort.

Den jungen Herzog Karl I. von Braunschweig (1713-1780) verbanden Vertrauen und Freundschaft mit Heinrich Bernhard von Schrader (1706-1773), sodass er ihn zum engen Berater und später zum Kanzler und Minister ernannte. Karl I. hatte seinen Freund Schrader, der einer angesehenen bürgerlichen Familie entstammte, bereits 1736 geadelt. Heinrich Bernhard von Schrader erhielt das Rittergut Schliestedt im Jahre 1747 für gut 36500 Taler. Er ließ die alte Wallburg abreißen und bereits ein Jahr später begannen die Erd- und Bauarbeiten für den Park und das heutige Schloss (Bauzeit 1747-1760). Schrader von Schliestedt, wie er sich nun nannte, bezog den späteren Hofbaumeister Christoph Georg Sturm (1698 – 1763) im Jahre 1749 in die Bauarbeiten ein, aber der Entwurf für das gesamte Ensemble entstammt dem Geiste des Schlossherrn und des damals sehr bekannten Landbaumeisters mit wallonischen Wurzeln, Martin Peltier del Belford (vor 1738 – 1769) Die damals moderne französische Landbauart, angelehnt an den Stil Versailles, findet sich hier wieder. Der Stuckateur Guiseppe Buzzi, ein Italiener, setzte den mediterranen Charme in seinem Gewerk durch feine, filigrane Stuckaturen in Darstellungen von Blütenblättern, zarten Ranken und beispielsweise Vogelfiguren um.

Schliestedt liegt am Fuße des baumbestandenen Höhenzuges Elm und bot somit gute Möglichkeiten für die Beschaffung der Baumaterialien (Kalkstein, Holz). Durch Anordnung der Spiegel und die feinen Stuckaturen sowie die Supraporten des Malers Joseph Gregor Winck (1710 – 1781) findet die bauliche Leichtigkeit in dem Spiegelsaal ihren gestalterischen Höhepunkt. Heinrich Bernhard Schrader von Schliestedt genoss die zahlreichen und langfristigen Aufenthalte in seinem Sommersitz - ''procul negotiis“ (fernab von den Geschäften) wie bis heute über dem Eingangsportal steht -.

Die Schliestedter Schloßanlage mit Park nahm nach dem Tode von Heinrich Bernhard Schrader eine wechselvolle Geschichte mit verschiedenen Adelsbesitzern und auch Pächtern. So residierte hier zeitweise ein Zweig der Familie von Bülow und brachte die kulturelle Nutzung des Schlosses und der Parkanlage mit festlichen Konzerten in Park und Gebäude sowie Lesungen und Kunstsammlungen voran. Durch geschicktes wirtschaftliches Handeln und familiäres Taktieren konnte der Besitz erweitert werden, so dass „1048 Morgen Acker, 50 Morgen Wiesen, 437 Waldmorgen Holzungen, 2 Morgen Teiche, die Schäfergerechtigkeit, Hude und Weide auf den umliegenden Feldmarken, Jagd- Brau- und Kruggerechtigkeit, Alleen und Plantagen, das Patronat und 36 Häuslingshäuser“ dazugehörten („Die Rittersitze des alten Landes Braunschweig“, Gesine Schwarz, 2008)

1936 sollte Schliestedt zur SS-Mustersiedlung umgestaltet werden. Dafür wurden die Schlossländereien aufgeteilt und an zuziehende Familien als Hofstellen weitergeben. Junge Menschen lebten hier in Internatsform (1942) und erlernten Instrumente. Auch in dieser Zeit bestand die enge Verbindung zwischen Schloß und Ort weiter, sodass die Internatsjugendlichen und die Dorfjugend enge Kontakte zueinander pflegten. Nach dem Kriege im Jahre 1950 veräußerte die letzte Adelsbesitzerin die restliche Parkanlage von ca. 9 ha mit dem Schloß Schliestedt und Nebengebäuden an den Landkreis Wolfenbüttel, der dringend einen Gebäudekomplex für ein Flüchtlingsaltenheim suchte. Bis 1952 sind in dem Gebäudekomplex 32 Unterkunftsräume für 100 Heimbewohner geschaffen worden.

1996 wurde das Alten- und Pflegeheim an die Zerbst GmbH Betriebs und Co. KG veräußert. Im besonderen Ambiente des denkmalgeschützten Barockschlosses mit seinen Nebengebäuden lässt es sich auch bei Pflegebedürftigkeit gut wohnen, hier findet Leben und Pflege nach modernsten wissenschaftlichen Erkenntnissen in allen Pflegestufen und auch bei gerontopsychiatrischen Veränderungen statt.

Der Barock-Spiegelsaal ist nach wie vor das Herzstück und Hauptveranstaltungsraum in der gesamten Anlage. Außerdem ist der Spiegelsaal (wieder) offizielles Standesamt und wird – wie seit Jahrhunderten – genutzt um „procul negotiis“ zu feiern. Auch der Schloßvorplatz mit dem bepflanzten Rondell wird nach wie vor mit einbezogen und steht für viele Feierlichkeiten im Freien zu allen Jahreszeiten zur Verfügung. Das 8,9 ha große Parkgelände zeigt bis heute die Spuren der Peltierschen Anlage und die barrierefreien Spazierwege zwischen altem Baumbestand mit Bänken zum Verweilen legen beredtes Zeugnis aus dieser Tradition heraus ab. Der links der Zufahrtsallee angelegte Teich (auch Feuerlöschteich des Ortes) mit Enten, Karpfen und Goldfischen bildet gartenarchitektonisch das Pendant zum Langhaus und trägt ein Übriges zum herrschaftlich-idyllischen Gesamteindruck des Ensembles bei.

zurück